Paulas Welt

Paula Landes vereint in ihrer Welt Gegensätze auf eine so harmonische und natürliche Weise, dass man gar nicht merkt, dass sich dahinter eigentlich Widersprüche verbergen: Weite Reisen, ferne Länder und ein Leben im kleinen Radius zwischen Kita und Büro in Frankfurt, Selbstständigkeit und Mutter sein, Netzwerkkönigin und Diktatorin, laut und extrovertiert und trotzdem leise und nachdenklich.
In den folgenden Zeilen stellen wir Euch diese Welt vor und nehmen Euch mit auf eine Reise, die eines unserer YBG Talente aus dem Kontext der Selbstständigkeit holt und sie genau dort platziert, wo sie herkommt: In ihre eigene Welt.

Paulas Leben scheint ganz geordnet und bodenständig am Niederrhein zu beginnen: In Xanten aufgewachsen, zog sie mit sechs Jahren nach Moers, wo sie bis zu ihrem Abitur auch lebte. Doch der spießbürgerlich deutsche Eindruck trügt: Schon in jungen Jahren testete Paula gerne Grenzen aus, erlebte Abenteuer und befasste sich mit anderen Sprachen und Kulturen. „Einer meiner besten Reisen aus dieser Zeit war mein Interrail mit 17 Jahren mit einer Freundin“, erzählt sie uns „wir sind quer durch Europa gefahren, haben jede Menge Quatsch gemacht und sind am Ende wieder gesund zurückgekommen. Wir konnten kein Wort spanisch oder portugiesisch und ich habe uns trotzdem irgendwie durchgedolmetscht“. Nach dem Schulabschluss war sie sich nicht sicher, was als nächstes kommen sollte und Paula probierte erst einmal aus: Work and Travel in Australien, umrahmt von zwei Studiengängen, die sie aber beide irgendwie nicht so richtig für sich gewinnen konnten. Paula entschied sich deshalb kurzerhand für eine Ausbildung zur Außenhandelskauffrau in Duisburg, die sie zwei Jahre später erfolgreich abschloss. „Da wusste ich, dass ich am Ende etwas Solides in der Hand habe und damit mein Leben lang immer irgendwie einen Job finden werde.“ Erfüllt und gefordert hat sie das Ganze aber nie so richtig. Während ihrer Jahre als Auszubildende nutzte sie „Leerphasen“ auch, um den dicken, grünen Studienführer, der wahrscheinlich bei jedem Studenten irgendwo verstaubt im Bücherregal steht, ausgiebig zu konsultieren: „Von vorne bis hinten habe ich den gelesen“, erzählt sie uns lachend „und dabei meinen Traumstudiengang gefunden. Wahrscheinlich war ich zu diesem Zeitpunkt auch einfach offener, als vor meiner Ausbildung. Die gab mir die nötige Sicherheit und ich konnte nun das machen, worauf ich Lust hatte.“

Als Kind wollte sie eigentlich Malerin werden und die Liebe zur Kunst ist nie so ganz aus ihrem Leben gewichen. Paula zeichnet und malt gerne. Reine Kunstgeschichte aber war ihr zu strukturiert und organisiert, eine Mappe voll mit ihren Werken anzufertigen schien eine Mammutaufgabe mit ungewissem Ziel. Auch die Stadt Konstanz selbst hat hier wohl ihr nötiges getan, um sie in den Süden zu locken. Paulas Oma besitzt ein Ferienhaus am Bodensee und bereits als Kind verbrachte sie dort ihre Ferien „In diesem Studium hatte ich einfach alles zusammen“, sagt sie uns und man merkt, dass sie sich sehr gerne zurück erinnert an ihre Zeit in der Stadt am Bodensee: „Medien, Film und Literatur und meine Leidenschaft fürs Wasser. All das gemeinsam hat mir sehr viel Spaß gemacht und es war für mich nicht das geringste Problem, mich sechs bis acht Stunden am Tag mit den verschiedensten Thematiken aus dem Studiengang zu befassen.“
Konstanz gefällt ihr so gut, dass sie auch ihren Master der „Kulturellen Grundlagen Europas“ dort absolviert. Ein wichtiger Bestandteil dieses Studiums war es, Europa aus einer Außensicht kennenzulernen und deshalb entschied sie sich für einen achtmonatigen Studienaufenthalt in Delhi. Ihre Faszination für Indien ist bis heute ungebrochen und wird durch den Blog „Paulindiana“ immer wieder gerne beleuchtet: die scheinbar widersprüchliche Welt der Maharadjas, des Sati, von Bollywood und Demokratie.
Aber auch nach dem abgeschlossenen Master gab es keine konkrete Berufsplanung. Erstmal ging es auf reisen, nach Sri Lanka: Kopf frei bekommen und neues entdecken. Sicher war nach ihrer Rückkehr nur, dass sie nicht nach Berlin wollte und so landete sie schließlich in Frankfurt.“

Paulas Welt in Frankfurt

Frankfurt und Paula, das ist ein weiteres, spezielles Kapitel in Paulas Welt. Wirklich positiv gestimmt war sie der Stadt am Main zuvor nie, dort zu leben war für sie keine Option „Frankfurt. Das war für mich ein weißer Fleck auf der Landkarte“, erzählt sie uns und fügt hinzu: „Das war vor sechs Jahren. Heute gefällt es mir richtig gut hier. Besonders die Museen, die vielfältige Kinolandschaft und die angenehme Größe haben es mir angetan. Auch Sachsenhausen mit der Wallstraße ist super: Egal, was ich gemacht habe, in dieser Straße habe ich immer gelebt oder gearbeitet.“ Ob sie  für immer in Frankfurt bleiben möchte, dahinter setzt sie noch ein großes Fragezeichen. „Meine Grundidee war immer, im Ausland zu leben. Das hat sich nie so richtig ergeben und ich bin auch nicht traurig darüber. Ich kann mir aber heute dennoch nicht vorstellen, den Rest meines Lebens in Frankfurt zu verbringen. Sollte sich im Laufe der Zeit eine andere Möglichkeit für mich auftun, dann werde ich diese auch ergreifen.“
Vorerst bleibt Paula Frankfurt treu und wenn man sie so erzählen hört, dann hat sie sich in den letzten Jahren in dieser Stadt auch so einiges Aufgebaut. Es scheint, sie ist, wenn auch nur vorübergehend, angekommen.

Los ging es für sie beruflich zunächst in einer PR-Agentur in Frankfurt, bei der sie sich mit nicht ganz konventionellen Bewerbungsunterlagen beworben hatte. „Wer mich kennt, der kennt auch meinen Faible für tote Ratten“, entgegnete sie uns während des Gesprächs auf unsere verwunderte Frage, wieso sie in die Bewerbungsmappe Bilder von toten Tieren einfügte. „In meiner Zeit in Konstanz habe ich damit begonnen, tote Ratten und Mäuse zu fotografieren. Ich habe schnell gemerkt, dass sich die Leute für meine Bilder interessieren. Ich fotografiere diese Motive heute noch immer. Das ist mitgewachsen.“ Ihr war klar, dass so eine Bewerbung polarisiert und sie wartete gespannt auf die Reaktion. Diese war unglaublich positiv, denn Paula bekam den Job, entschloss sich kurzerhand in das für sie nicht wirklich favorisierte Frankfurt zu ziehen und arbeitet auch für die nächsten Jahre in dieser Agentur, zunächst als „Creative Planer“, später dann als „Community Manager“.
Mit zunehmendem Grad der Professionalisierung merkte sie, dass sie viel Abwechslung und Herausforderungen in ihrem Berufsleben braucht und die Selbstständigkeit erschloss sich ihr als etwas, dass sie zu hundert Prozent erfüllen könnte. „Wenn ich etwas mache, dann richtig“, hat Paula einmal zu uns gesagt und das ist wahrscheinlich einer der Gründe, warum sie heute eine so erfolgreiche Unternehmerin ist.

Ganz so zielgerichtet und nahtlos vom Angestelltenverhältnis über zur Selbstständigkeit ging es dann aber doch nicht. Paula entdeckt auf dem Weg, was sie bewegt und für was sie sich gerne stark machen will. Zunächst reduzierte sie ihren Vollzeitjob auf eine halbe Stelle und befasste sich in ihrer gewonnen Freizeit verstärkt mit den Optionen der Selbstständigkeit. Sie machte sich viele Gedanken und besonders die Digital Media Women e.V. waren und sind für sie ein sehr wichtiges Netzwerk, das sie letztlich auch dazu ermutigt hat, den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen.
Das alles ist nun schon fast zwei Jahre her und heute ist Paula mit „Mocial Sedia“ ein sehr erfolgreicher Start in die Selbstständigkeit gelungen. Hierbei berät sie KMUs bei ihrer Social Media Strategie, verwaltet deren Webseiten und Social Media Kanäle oder designt Logos, um nur einige ihrer Aufgabengebiete zu nennen. Dabei steht bei ihr immer die Aufgabe im Vordergrund. Paula macht richtig gute PR für Unternehmen und kann sich dabei auch ein Stückchen selbst entfalten. Natürlich entwickeln sich Paula und Mocial Sedia immer weiter und Seminare und Workshops erweitern mittlerweile ihr Produktangebot. Was sie an der Selbstständigkeit und ihrem eigenen Unternehmen besonders reizt ist die Tatsache, dass all das, was sie tut, auch für sie selbst ist. Jeder Gewinn, jeder neue Kunde, aber auch jeder Verlust gehen auf ihre Rechnung und sie kann völlig alleine entscheiden, wohin ihre unternehmerische Reise geht.
„Wenn ich es mir so recht überlege“, sagt sie dann, nachdem wir ein bisschen über ihre Selbstständigkeit geredet haben, „war mein Ziel vor fünf Jahren, ein Diktator zu sein. Das bin ich doch heute mit meinem eigenen Unternehmen auch, oder?“

Paulas Welt: Das waren bisher andere Sprachen, ferne Länder, ein bisschen Rebellion, ein bisschen Grenzen austesten, sich selbst immer wieder neu erfinden und sich zu hundert Prozent auf das eigene Unternehmen, die Selbstständigkeit einlassen.
Aber Paula wäre nicht Paula, wenn es da nicht immer noch ein paar Türchen gebe, hinter denen es etwas Neues, Interessantes über sie zu erfahren gibt. Paula ist leidenschaftliche Schwimmerin, liest zwei Bücher pro Woche und liebt Vanillemilch. Fast so beiläufig, wie sie diese Dinge während unseres Interviews erwähnt hat, scheint die Tatsache, dass sie neben ihrer Selbstständigkeit auch Mutter ist. Ihre Tochter ist gerade drei Jahre alt geworden und trotz hohen Erwartungen, die als Unternehmerin und Mutter auf ihr Ruhen, meistert sie beide Rollen ausgesprochen gut und mit einer riesigen Portion Gelassenheit.
Zwischen 9 und 15 Uhr trifft man sie meist in ihrem hippen Büro in einem Co-Working Space in der Wallstraße an, in dem sie sich und ihr Unternehmen immer wieder neue Herausforderungen stellt und daran wächst. Nachmittags ist sie dann meistens Mutter und genießt es sehr, mit ihrer Tochter die Welt zu entdecken. Abendevents sind aber auch Teil des Netzwerkens und Dank ihres Partners ist es auch kein Problem, noch spät Kontakte zu knüpfen oder auf Geschäftsreisen zu gehen.
„Ich würde nicht sagen, dass meine Welt sich grundlegend verändert hat“, antwortet sie uns auf die Frage, ob ihre Welt durch die Geburt ihrer Tochter eine andere geworden ist. „Natürlich ist die Vereinbarkeit von Selbstständigkeit und Mutter sein eine logistische Herausforderung, aber ich mache noch die gleichen Dinge wie vorher. Nein, meine Welt ist durch meine Tochter nicht anders geworden, aber besser.“